dredg – Live Music Hall, Köln, D – 2. 11. 2009

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Am Vorabend des Köln-Konzerts hatten dredg bereits Großartiges geleistet: Im komplett gefüllten Dortmunder Konzerthaus hatten sie zu Ehren des 20-jährigen Jubiläums und der 200. Ausgabe des Magazins Visions ein spezielles Set gespielt, begleitet von ihren Freunden Anton und Lewis Patzner, ihres Zeichens Cellist und Violinist der kalifornischen String-Metaller Judgement Day. Die deutschen dredg-Fans, die zuletzt im Sommer mit nicht gerade üppigen Setlists gesegnet waren, rieben sich angesichts von knapp zweieinhalb Stunden Spielzeit verwundert die Augen.

Um so überraschender, dass die Band am Montag in der Live Music Hall nicht etwa einen Gang zurückschaltete, sondern Köln unter Abzug von 2 Stücken die gleiche Show wie am Vorabend bot, Streicher inklusive. Die Setlist bestand zum einen aus dem kompletten aktuellen Album The Pariah, The Parrot, The Delusion und zum anderen aus einem bunten Potpourri älterer Stücke.

Der erste Teil des Konzerts verdeutlichte einmal mehr, dass sich am neuen Album noch immer die Geister scheiden. Während der Großteil des Publikums sichtlich froh war, endlich alle Stücke des neuen Albums live zu hören und zu sehen, befanden einige andere diesen Teil des Konzerts später für langweilig und lieblos.

In der Tat spielte die Band die Platte kommentarlos herunter und wirkte an einigen Stellen auch ein wenig angestrengt. Keine große Überraschung, wenn man dredgs furchtlose Tourplanung und die “Einladung” zum Geburtstag am Abend zuvor bedenkt.

Viel wichtiger: Die Performance war nahezu makellos. dredg’s Musik ist alles andere als entspanntes Lagerfeuer-Geklampfe, und leichte Katerstimmung macht sich bei ihnen in Form von sichtlich konzentriert agierenden, und daher nicht gerade ansagefreudigen, Musikern bemerkbar. Im Endergebnis wesentlich angenehmer als eine Band, die zu Lasten der Performance ihre Partylaune auf der Bühne auslebt.

Die etwas sperrige Dramaturgie des Albums äußerte sich natürlich auch in der Live-Darbietung: der eher inhaltliche als musikalische rote Faden offenbart sich auch bei näherem Hinsehen nur langsam. Das Album fordert sowohl in der Studiofassung als auch live weit mehr Aufmerksamkeit als in Zeiten des 30-Sekunden-Trailers üblich. Aber genau das macht dredg zu der kompromisslosen Band, die sie ist. Sie verlangen dem Zuhörer einiges ab, trauen ihm aber auch einiges zu.

Gerade die Stücke, die neu im Live-Set waren (Live-Premiere auf deutschem Boden z.B. von Gathering Pebbles, Mourning This Morning, Quotes), konnten das Publikum gut mitreißen. Zugabe-Rufe erübrigten sich dieses Mal, denn die Band ging von Stamp of origin: Horizon nahtlos in den zweiten Teil des Abends über.

Same Ol’ Road, Triangle und Eighteen People Living In Harmony sorgten für Begeisterung im Saal. Mit Bug Eyes und Ode To The Sun gab es zum Schluss auch noch mal ordentlich was auf die Zwölf, wie es sich für dredg glücklicherweise immer noch gehört.

Auch während dieses Teils der Show wurden dredg von den Patzner-Brüdern unterstützt. Speziell Triangle gewann durch Cello und Geige eine weitere Dimension hinzu, die man bei künftigen Auftritten ohne Streicher wohl vermissen wird.

FAZIT: Ein musikalisch sehr farbenfroher Abend mit einer sehr konzentriert und eher ernst agierenden Band und einem im Vergleich zu den Shows im Sommer eher zurückhaltenden Publikum. Das aktuelle Album am Stück zu spielen war eine mutige, musikalisch aber sehr überzeugende Entscheidung.

RANDNOTIZ: Das Konzert wurde von dem Münchner Startup-Unternehmen livedome mit 4 Kameras gefilmt und weltweit über 53 verschiedene Webseiten (!) live ins Netz gestreamt.

Auf der Website ist das Konzertvideo auch als Download oder auf einem USB-Stick erhältlich, allerdings für knapp 20 Euro. Vor der Show wurde die Band auch von livedome interviewt, das Ergebnis könnt Ihr Euch dort for free anschauen.

Review: Björn Kahlenberg – Fotos: Elif Macit & LynMarieN


S E T L I S T :

01. Pariah
02. Drunk Slide
03. Ireland
04. Stamp of Origin: Pessimistic
05. Lightswitch
06. Gathering Pebbles
07. Information
08. Stamp of Origin: Ocean Meets Bay
09. Saviour
10. R U O K ?
11. I Don’t Know
12. Mourning This Morning
13. Stamp of Origin: Take A Look Around
14. Long Days And Vague Clues
15. Cartoon Showroom
16. Quotes
17. Down to the Cellar
18. Stamp of Origin: Horizon
19. Ode To The Sun
20. Bug Eyes
21. Same Ol’ Road
22. Eighteen People Living In Harmony
23. Triangle
24. Drum Takedown
25. Sang Real

Posted by Bjoern   @   3 November 2009

 

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