James Walsh – Zermatt Unplugged, CH – 15. 4. 2010

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Ein ganz privates Konzert erwartete den Besucher, als James Walsh (sonst bisher mit seiner Band Starsailor unterwegs) im Rahmen des Zermatt Unplugged Festivals den ebenso edlen wie inspirierenden Club Vernissage beehrte.

Die vom Zermatter Künstler Heinz Julen gestaltete einzigartige Mischung aus Live-Club, Ausstellung, Kino, Bar und Lounge bietet Platz für 400 Leute, war heute abend aber nur knapp zur Hälfte gefüllt.

Nachdem anfangs noch irritiert in möglichst großem Abstand zur Bühne herumgestanden wurde, machte man es sich dann doch sehr schnell gemütlich und setzte sich in einem großen entspannten Halbkreis um die Bühne. So entstand eine sehr private Atmosphäre, und James Walsh konnte (und musste) angesichts des anfänglichen Begeisterungsdefizits nur mit Gitarre und Klavier bewaffnet beweisen, was er drauf hatte.

Und das hat er mit verblüffender Leichtigkeit getan. Im anfänglich so zurückhaltend gestimmten Saal entfachte er mit einer äußerst beseelten Performance und einer sehr feinfühlig zusammengestellten Setlist innerhalb kürzester Zeit echte Lagerfeuerstimmung.

So hat sein Auftritt die Philosophie des Zermatt Unplugged Festivals perfekt aufgegriffen.

Zu hören gab es neben einigen neuen Stücken (Soul On Trial, Desert Rain, Long Way To Love) jede Menge Starsailor-Klassiker (z.B. Silence Is Easy, Poor Misguided Fool und natürlich Four To The Floor).

Gerade diese Stücke gewannen durch die Reduziertheit in den akustischen Versionen deutlich an Schärfe und vor allem Eindringlichkeit, und verloren etwas von der Schwere der ursprünglichen Arrangements.

Ein paar eingestreute stimmungsvolle Coverversionen sorgten zusätzlich für gute Laune im Saal: Eine Prise Eagles (Take It Easy), ein Hauch Neil Young (ein paar Zeilen aus Surfer Joe And Moe The Sleaze), ein Esslöffel Bruce Springsteen (ein paar Takte aus Atlantic City) und natürlich ein kräftiger Schuss Stones (You Can’t Always Get What You Want).

So spielte er nach kurzer Zeit vor einer geschlossen klatschenden, mitsingenden und selig vor sich hin wippenden Gemeinde, die vom Mann auf der Bühne alles forderte und alles bekam, was man sich von einem Unplugged-Konzert überhaupt erhoffen kann.

Ob er klampfend und stampfend über die Bühne rockte oder ruhige Töne anschlug: er traf mit seinem Konzert genau den Nerv eines Publikums, das nach einem langen Tag auf der Skipiste und dem Festival hierher gepilgert kam und dementsprechend ruhig, aber auch neugierig war.

Es bedarf eines echten Vollblut-Entertainers, um aus diesen Zutaten eine derat intensive Stimmung zu brauen, dass man in den leisen Passagen das Klimpern jeder Flasche gehört hätte, wenn denn jemand eine umgeworfen hätte. Dafür war man im Publikum dank James Walsh jedoch zu andächtig, still und feierlich.

Der Starsailor-Hit Good Souls (garniert mit ein paar Zeilen aus Jay-Z’s Empire State of Mind) geriet zu einem leidenschaftlichen Finale, das keine Wünsche mehr offen ließ.

Insgesamt bot der Abend eine perfekte Symbiose aus Klang, Licht, Stimmung und Schauplatz. Neben dem sehr klaren und voluminösen Mix begeisterte auch das Interieur des Vernissage, das einen Großteil zur würdevollen Atmosphäre des Abends beitrug:

Postmoderne Kronleuchter, Wendeltreppen wie aus Science-Fiction-Filmen, warmes Licht in sommerlichen Farben über einer gut bestückten Bar und dazu eine ausgezeichnete Akustik an jeder Stelle im Saal – jeder Kilometer, den man von diesem Club entfernt wohnt, ist einer zuviel.

FAZIT:
James Walsh hat mit seinem Konzert bei Zermatt Unplugged nicht nur handwerklich herausragende Unplugged-Qualitäten bewiesen, sondern den durch die Reduzierung des Instrumentariums frei gewordenen Raum mit einer selten gehörten und gesehenen Intensität ausgefüllt, und so die Ohren und Herzen selbst der skeptischsten Zuhörer im Sturm erobert.

Ein Mann, eine Gitarre, ein Saal, eine Stimmung: so macht handgemachte Musik Spaß. James Walsh musizierte an diesem Abend überzeugender und effektvoller denn je.

BY THE WAY:
Nach dem Auftritt mischte sich James noch unter das feiernde Volk im Vernissage und machte tanzend und trinkend mit seinen Fans die Nacht zum Tage.

Vorsorglich hatte er schon während es Auftritts angekündigt: “In the UK I’m known as a mild-mannered, clean living person, but everyone in Switzerland will think I’m an alcoholic…”

Review und Fotos:
Björn Kahlenberg & Annemarie Jansen


S E T L I S T :

01. Lullaby
02. This Time
03. Tell Me It’s Not Over
04. Soul On Trial
05. Boy In Waiting
06. Alcoholic
07. Desert Rain
08. Poor Misguided Fool
09. Long Way To Love
10. Four To The Floor
11. Life
12. Take It Easy
13. You Can’t Always Get What You Want
14. Silence Is Easy
15. Good Souls / Empire State Of Mind

Posted by Bjoern   @   29 April 2010

 

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