Billy Idol – Zermatt Unplugged, CH – 15. 4. 2010

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Ein Meer von Fäusten, die rhythmisch in die Luft hämmern, aufgeregte Frauen sämtlicher Altersklassen, die sich am Bühnenrand Autogramme geben lassen, und in der Mitte der Mann, der wie kein Anderer eingängige Melodien und Punkrock-Attitüde zu großen Pop-Nummern verschmilzt:

Billy Idol. Nur echt mit offenem Hemd, schmollendem Mund und natürlich der zum Markenzeichen gewordenen Gewinner-Faust.

2001 hatte er mit einem Unplugged-Konzert für VH-1 Storytellers nicht weniger als sein Comeback ins Musikfernsehen hingelegt und mit der dazugehörigen DVD gehörig an Street Credibility gewonnen.

Jetzt haben Billy Idol und seine Band passenderweise dem Zermatt Unplugged Festival in der Schweiz einen exklusiven Besuch abgestattet, und das Festzelt am Fuß des Matterhorns in eine einzige große Party verwandelt.

Herr Idol und seine Band stellten auch ohne Stromgitarren ein ziemlich kräftiges Soundgerüst auf die Bühne. Wurden seinerzeit bei VH-1 Storytellers die Songs noch auf Gitarre und Gesang reduziert, gab es heute abend die volle Packung:

Fast alle Stücke warteten mit komplettem Band-Lineup auf. Stephen McGrath (Kontrabass) und Jeremy Colson (Drums) legten ein kantiges aber präzises Grundgerüst, auf dem sich neben Billy vor allem Steve Stevens (Akustikgitarre) gehörig austoben durfte.

Den bestuhlten Saal hielt es nicht lange auf den Sitzen: Nach wenigen Minuten stand der Großteil des Publikums bereits singend und feiernd vor den Sitzgelegenheiten. Die meisten Anwesenden zeigten sich dabei verdächtig textsicher, so dass die gute Stimmung schnell bis auf die oberen Ränge durch den ganzen Saal schwappte.

Die Setlist ließ auch keine Wünsche offen, und bot zielsicher alle Hits, die man von Billy Idol erwartet, zum Beispiel Dancing With Myself, Flesh For Fantasy und natürlich Eyes Without A Face.

Er hätte bei insgesamt gespielten 13 Stücken sicherlich noch ein-zwei Songs drauflegen können. So bot die Konzentration auf die Abräumer allerdings einen Set, der die Party-Stimmung im Raum ohne Atempause von einem Highlight zum Nächsten mitnahm.

Die Arrangements, die an diesem Abend zu Gehör kamen, wurden allesamt speziell für das Festival geprobt. Den Klassiker Rebel Yell spielte die Band zum Beispiel in einer swingenden Acht-Minuten-Version, bei der Herr Idol lässig fingerschnippend über die Bühne tigerte. Ein ebenso seltener Anblick wie die Klanghölzer in seiner Hand, mit denen er bei diesem Song sanft mitgroovte.

Wie schon 2001 kam das Unplugged-Soundgewand den Songs sehr zugute: White Wedding glänzte mit deutlich schärferem Spannungsbogen als das Original, Prodigal Blues strahlte in der Unplugged-Version noch mehr Erdigkeit aus.

Das entspannte Setting verringterte außerdem merklich die Distanz zwischen Band und Publikum. Genau das Richtige für Billy Idol: Er hatte zwar keine andere Wahl, als permanent Autogramme zu geben, hat es aber mit sichtlicher Freude und Hingabe getan.

Dieser Mann weigert sich einfach zu altern, genauso wie seine Gesten. Seine Fans sind sympathischerweise auch noch sehr jugendlich unterwegs. So ließ es sich ein weiblicher Fan nicht nehmen, von ihrem Idol am Bühnenrand vehement und lautstark einen Kuss einzufordern. Selbstverständlich erfolgreich, Billy Idol gab sich heute abend ausgesprochen handzahm und bescheiden.

Traditionell kommen beim Zermatt Unplugged ausschließlich akustische Instrumente zum Einsatz. Dieses Konzept hat der Meister ein wenig ausgehöhlt und zumindest an zwei Stellen klar erkennbar Keyboards bzw. Gitarren-Synthesizer eingesetzt.

Zwar jeweils sehr dezent und absolut songdienlich, trotzdem wäre es viel schöner und wahrscheinlich nicht sehr kompliziert gewesen, die Stellen mit rein akustischen Instrumenten auszufüllen.

Das Konzert verbeugte sich ansonsten aber doch sehr vor der Philosophie von Zermatt Unplugged. Der Klang von Western-Gitarren ergänzte sich optimal mit Billy’s markanter Stimme, und die Band hat an diesem Abend auch sonst eine Menge Holz auf die Bühne gebracht: Neben Stephen McGrath’s in jeder Beziehung wuchtigem Kontrabass eine bunte und stilvoll eingesetzte Auswahl an Percussion-Instrumenten.

FAZIT:
Ein im Gesamten absolut Zermatt Unplugged-würdiger Auftritt: ein gut gelaunter Billy Idol, unterstützt von einer tight grooovenden Band.

Im Programm ein bunter Reigen von Evergreens in besonderen Arrangements, die es nur an diesem Abend zu hören gab. Dazu Stimmung bis unters Dach. Was will man mehr? Ein Autogramm vielleicht…

Review & Fotos:
Björn Kahlenberg


S E T L I S T :

01. Cradle Of Love
02. Dancing With Myself
03. Flesh For Fantasy
04. White Wedding
05. Eyes Without A Face
06. Rebel Yell (Swing Version)
07. Sweet Sixteen
08. Don’t Need A Gun
09. Kiss Me Deadly
10. Prodigal Blues
11. To Be A Lover
12. Hot In The City
13. Mony Mony

Posted by Bjoern   @   28 April 2010

 

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1 Comments

Comments
Apr 28, 2010
7:57 PM
#1 Dogstar :

Ja unser Billy,
sehr gut gelaunt , wieder etwas blonder im Haar und dazu mit neuer Band. Wer Billy in Zermatt erlebt hat weiß das die anstehende Europatour ein voller Erfolg werden wird. Musikalisch geht er mit dem Unpluggedkonzert neue Wege. Viele Songs neu arrangiert und eingespielt, echt klasse. Wohl das beste Konzert der letzten Jahre was Billy und friends gespielt haben. Alle Fans die wir kennen und die mit uns in Zermatt gewesen waren sind immer noch restlos begeistert. Wir freuen uns schon auf die nächsten Konzerte die bestimmt wieder voll abgehen.

Ingo + Barbara Knöfel
http://www.kiss-the-skull.de
Deutschlands Billy Idol Community

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