Midlake – Luxor, Köln, D – 3. 2. 2010

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Kopfkino in 3D war angesagt, als Midlake am 3. Februar das ausverkaufte Luxor in Köln beehrten.

Nachdem im Vorprogramm Sarah Jaffe nur mit ihrem Schmerz und ihrer Gitarre bewaffnet in eine Welt aus alkoholgetränkten Spielfilmszenen entführte, betraten schließlich Midlake die Bühne. Sie wurden mit großem Jubel und hohen Erwartungshaltungen empfangen, keine 3 Tage nach Veröffentlichung ihres neuen Albums The Courage Of Others.

Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance: Es grüßten also sieben Typen, die aussahen als hätte man sie von einem verräucherten Folk-Festival Anfang der 70er quer durch die Zeit direkt auf die Bühne des Luxors gebeamt.

Zwar klangen sie glücklicherweise nicht haargenau so, strahlten aber genau jenen Spirit in den Raum, den man mangels Zeitmaschine sonst live in dieser reinen Form so gut wie nirgends mehr serviert bekommt. Im Laufe des knapp zweistündigen Gigs ließ sich auf sehr angenehme Art vergessen, dass man sich im 21. Jahrhundert befindet.

Denn der Geist des Britischen Folk-Rock der 60er und 70er wurde von Midlake nicht nur behauptet oder wie ein cooles Vintage-Kleidungsstück übergestreift, sondern bis in letzter Konsequenz einverleibt, durchgespielt und ausgelebt. So warfen sich wie selbstverständlich immer wieder Tim Smith und Jesse Chandler mit 2 Querflöten melodische Spielbälle zu, während dahinter sanft zerlegte Gitarrenakkorde wie Wasserfälle aus den Boxen perlten.

Dreistimmige Gesangspassagen gehören in diesem musikalischen Kontext ja fast schon zum guten Ton, wurden aber von Midlake in selten gehörter Perfektion und mit großer Leidenschaft umgesetzt.

Immer wieder eingestreute fuzzige Gitarren und shoegazige Rhythmen erinnerten als Einziges an die Tatsache, dass die 90er schon passiert sind, und verliehen der mit Liebe abgeschmeckten Acoustic-Melange ein wenig Schärfe.

Die Stimmung im Luxor war, dem Anlass angemessen, größtenteils andächtig bis weggetreten, einzig der Jubel zwischen den Stücken verdeutlichte, wie begeistert das Publikum an diesem Abend war.

Bewegung kam nur bei den Hits Roscoe, Young Bride und Head Home vom vorletzten Album The Trials of Van Occupanther auf. Insgesamt herrschte eine sehr friedliche und würdevolle Atmosphäre im Saal, die nur vom üblichen Gedrängel im schmalen Luxor immer wieder mal unterbrochen wurde.

Da auf der Setlist nahezu das komplette neue Album stand, gab es nicht ganz so viele Stücke aus Van Occupanther zu hören, wie sich mancher vielleicht erhofft hatte. Das neue Material bewegt sich zwar in einem enger gesteckten Soundrahmen, schuf live dafür aber eine außergewöhnlich geschlossene Atmosphäre, die sich die älteren Titel einfach einverleibt hat. So bot das Konzert einen klaren Kontrast zu den Shows der letzten Tour.

Auf Pieter Stellingwerff am Mischpult lastete die schwere Aufgabe, bei derart vielen Tonerzeugern ein differenziertes Klangbild in den unförmigen Raum zu zaubern. Und er hat sie mit Bravour gelöst. Allerdings musste man, um die Früchte seiner Arbeit wahrnehmen zu können, in einem recht schmalen Soundkorridor zwischen den Boxen stehen.

FAZIT: Sowohl auf als auch vor der Bühne Menschen, die mit geschlossenen Augen selig vor sich hin wippen und sich im Sound verlieren. Genau das Richtige für Leute, die auf Konzerten am liebsten ein- und abtauchen.

Midlakes voluminöse Klangwelt kam im Wohnzimmer-mit-Bar-Rahmen des Kölner Luxors überraschend gut zur Geltung. Allerdings dürfte ihr Sound in größeren Hallen oder auch klassischen Konzerthäusern noch viel besser funktionieren. Hoffen wir einfach, dass Midlakes stetig steigende Popularität in naher Zukunft genau dafür sorgen wird.

Review: Björn Kahlenberg – Fotos: Christian Lesske


S E T L I S T :

01. Winter Dies
02. The Horn
03. Small Mountain
04. Bandits
05. Young Bride
06. The Courage Of Others
07. Fortune
08. Rulers Ruling All Things
09. Van Occupanther
10. Roscoe
11. Bring Down
12. Acts of Man
13. Core Of Nature
14. Children Of The Grounds
15. Head Home
16. Branches

Posted by Bjoern   @   4 Februar 2010
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