dredg – Zeche, Bochum, D – 11. 6. 2009

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Als im Frühjahr 2009 ein dredg-Konzert für den 11. Juni in der Zeche Bochum angekündigt wurde, dauerte es wie so oft nicht lange, bis der Saal im Vorfeld komplett ausverkauft war. Dabei waren die vier kreativen Kalifornier nur drei Monate vorher in NRW zu sehen gewesen, allerdings im nicht sehr geräumigen (und daher binnen Tagen ausverkauften) Gebäude 9 in Köln. Es scheint, als ob sich dredg im Laufe der letzten Jahren in Deutschland eine äußerst treue Fangemeinde erspielt haben. Von Ermüdungserscheinungen keine Spur.

Die Resonanz auf den jetzigen Gig war so groß, dass die Band kurzerhand ein Zusatzkonzert fünf Tage später anberaumte und prompt – wen wundert’s – die Zeche auch ein zweites Mal innerhalb einer Woche komplett gefüllt hat.

Als die Band nach so viel Vorfreude gegen 21 Uhr die Halle betrat, wurde sie konsequenterweise von lauten Jubelstürmen empfangen. dredg ballerte der Masse zur Begrüßung als erstes das wuchtige Saviour vom neuen Album The Pariah, The Parrot, The Delusion um die Ohren. Für viele Anwesende allerdings kein wirklich neues Stück, war es doch auch in Deutschland im letzten Jahr schon einige Male live zu hören.

Hier schaffte es die Band allerdings noch nicht, den Enthusiasmus des Publikums einzufangen, was sicherlich auch daran lag, dass die Aufmerksamkeit der Bandmitglieder noch stark an die Performance gebunden war. Die Band wirkte selbst ein wenig überrascht von der Begeisterung im Saal, und in Folge dessen sichtlich um eine möglichst saubere Performance bemüht.

Unmittelbar im Anschluss taute aber schon das Eis auf der Bühne, und mit dem inzwischen zum Evergreen avancierten Same Ol’ Road verschmolzen Band und Publikum zu einer feiernden Einheit. Gerade im leiseren Zwischenteil konnte die gute Akustik in der Zeche punkten und in Verbindung mit dem sehr gut abgemischten Gesamtsound für Gänsehautatmosphäre sorgen.

Im Laufe des Abends gab es erwartungsgemäß noch einige Stücke vom neuen Album zu hören, so zum Beispiel das eindringliche Lightswitch, den Album-Opener Pariah und natürlich die erste Single Information. I Don’t Know fehlte leider an diesem Abend, wahrscheinlich aufgrund der extrem hohen Stimmlage des Stücks.

Sänger Gavin Hayes wirkte auch ein wenig angeschlagen bzw. gejetlaggt, allerdings zum Glück nur optisch. Seine Gesangsleistung lag wie so oft jenseits von Gut und Böse. Ein hämisches “You guys look all fucked up…” aus dem Publikum konterte er mit einem entspannten “Oh yes, I am fucked up!”

Auf dem Speiseplan für diesen Abend standen dagegen alte und neue Klassiker wie Bug Eyes, Triangle oder The Canyon Behind Her. Ode To The Sun verwandelte den Saal in eine große Mitklatsch-Zone, sichtlich sehr zur Freude und zur Überraschung der Band. Als nach knapp einer Stunde die ersten Noten von Down To The Cellar durch den Raum schwebten, dämmerte vielen Fans (speziell denen, die Setlists von anderen Konzerten kannten), dass das Konzert seinem Ende entgegenging.

Und wie es die Tradition verlangte, beendeten dredg ihre Show auch dieses Mal mit einem großen instrumentalen Outro. Der aktuelle Album-Closer hat in dieser Funktion erst vor Kurzem den traditionellen “Drum Takedown Jam” als Show-Schlusspunkt abgelöst.

Obwohl sich mittlerweile herumgesprochen hat, dass dredg normalerweise keine Zugaben geben, begleitete der Saal den Abgang der Band von der Bühne mit frenetischem Jubel und lautstarken Zugabe-Rufen. Minutenlang forderte das Publikum nach mehr, doch dredg ließen sich (wie erwartet) leider nicht mehr erweichen und verabschiedeten sich in ihren – aufgrund der sehr energischen Show durchaus wohlverdienten – Feierabend.

Man könnte das für einen genialen Schachzug halten, nach dem Motto “aufhören wenn es am schönsten ist”, “leave the audience wanting for more” und so. Wer dredg aber kennt, weiß dass es tatsächlich so einfach ist, wie die Band selbst immer wieder sagt: Sie packen soviel Energie in ihre – dramaturgisch geschlossene – Performance, dass es danach einfach nichts Wesentliches mehr zu sagen gibt. Und tatsächlich blieb die Band ihrem Publikum keinen Gassenhauer schuldig.

Andererseits ist das Repertoire von dredg so voll mit interessanten Stücken, dass es immer etwas zu vermissen gibt, egal was gespielt wird.

FAZIT: Ein viel zu kurzes aber höchst mitreißendes Konzert, das das Publikum treffischer eingefangen und gekonnt den Bogen zwischen den ruhigeren und heftigeren Stücken des Repertoires gespannt hat. dredg sollten allerdings vielleicht darauf achten, dass die Konzerte in Zukunft nicht noch kürzer werden. Einige Besucher taten nämlich deutlich kund, dass für sie die Entwicklung steigende Ticketpreise bei sinkender Konzertdauer kurz davor ist, die Toleranzgrenze zu sprengen.

Review: Björn Kahlenberg – Fotos: Dominic Aniballi & Björn Kahlenberg


V I D E O S :

Ode To The Sun

Lightswitch

Triangle


S E T L I S T :

01. Stamp of Origin: Pessimistic
02. Saviour
03. Same Ol’ Road
04. New Heart Shadow
05. Ode To The Sun
06. Catch Without Arms
07. R U O K
08. Pariah
09. Jamais Vu
10. Of The Room
11. Lightswitch
12. Ireland
13. Triangle
14. Information
15. Sang Real
16. Bug Eyes
17. The Canyon Behind Her
18. Down to the Cellar
19. Stamp of Origin: Horizon

Posted by Bjoern   @   12 Juni 2009
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2 Comments

Comments
Okt 21, 2009
3:12 PM
#1 beatarator :

Coole Videos!

Dez 16, 2009
12:54 PM
#2 Marina :

Schönes Review. Fand es auch viel zu kurz, aber dafür wurdne wir ja vor kurzem in Köln entschaädigt.

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