Maxïmo Park – Philipshalle, Düsseldorf, D – 22. 10. 2009

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Maxïmo Park in der Philipshalle? Eine ganz schön große Hausnummer, wenn man bedenkt, dass ihr letzter Auftritt in Düsseldorf im Zakk stattfand. Aber gut, in den letzten 4 Jahren ist ja auch viel passiert und die Band dank erfolgreicher Singles sehr bekannt geworden. Anscheinend hatten sie in letzter Zeit oft genug in Köln gespielt, vielleicht war auch das Fehlen einer Konzerthalle mit mittlerer Kapazität dort der Grund für die Entscheidung. So machten sich am 22. Oktober selbst die passioniertesten Kölsch-Trinker frohen Mutes auf nach Düsseldorf.

Schon bei der Ankunft an der Halle wurde deutlich, dass man sich offenbar ein wenig verkalkuliert hatte: die Parkplätze nur spärlich belegt, kaum Leute vor der Halle, stattdessen aber jede Menge Eintrittskarten, die zum halben Preis verschleudert wurden. Das ließ Schlimmes befürchten. Hat der Hype um Maxïmo Park etwa mittlerweile seinen Zenith überschritten? War die letzte Tour nur deswegen so gut besucht, weil Books From Boxes damals dauernd im Radio lief?

Durch den geringen Andrang blieb noch genug Zeit, das Angebot am Merchandise-Stand in Augenschein zu nehmen: sehr lobenswert, dass die T-Shirts weiterhin zu moderaten Preisen um die 20 Euro erhältlich sind. In der Halle hatten sich mittlerweile ca. 3000 Fans versammelt. Dank abgehängter Ränge wirkte die Halle (Kapazität: 7500 Besucher!) trotz allem nicht gähnend leer, und es kam bereits leichte Feierstimmung auf. Schön, dass an den Bühnenrändern keine Boxenwände im Weg standen. Dank aufgehängter Boxen hatte man selbst aus spitzem Winkel immer noch sehr gute Sicht auf die Bühne. Dadurch gab es auch deutlich weniger Gedränge in Richtung Bühnenmitte als sonst üblich.

Im Vorprogramm wärmten die Blood Red Shoes den Saal mit einer erdigen aber mäßig originellen Show vor, die zwar allerorten für wippende Zehen sorgte, uns aber in letzter Konsequenz genauso wenig begeistern konnte wie ihr Auftritt 2007 im Palladium.

Maxïmo Park legten dann direkt mit einer Überraschung los und begrüßten Düsseldorf mit der B-Seite A19. Das trotz Veröffentlichung auf Missing Songs eher unbekannte Stück sorgte zunächst für einige ratlose Gesichter. Trotzdem befand sich der Saal aber von Anfang an in bester Laune, die durch die nächsten drei Stücke The Penultimate Clinch, Wraithlike und Russian Literature noch kräftig befeuert wurde.

Signal And Sign und vor allem Questing, Not Coasting versetzen die Halle in Begeisterung und gaben zusammen mit Roller Disco Dreams (neu im Set) dem Publikum ausreichend Gelegenheit, sich zu bewegen. Spätestens hier fühlte sich die Halle alles andere als schlecht gefüllt an, weder von der Lautstärke noch von der Temperatur her.

Bei Karaoke Plays konnten wir uns ein wenig ausruhen, bevor mit A Cloud Of Mystery und The Kids Are Sick Again zwei weitere Highlights vom neuen Album folgten. Mit That Beating Heart kam eine weitere rare B-Seite zu Gehör, die bisher nur auf der Vinyl-Single von Questing, Not Coasting zu finden ist. Going Missing überzeugte in einer sehr schönen Unplugged-Version, die von Keyboarder Lukas Wooller originell mit seiner Kinder-Melodica veredelt wurde. Mit I Haven’t Seen Her In Ages (ebenfalls neu im Set) und The Unshockable zog die Band dann die Zügel wieder an und ließ die Philipshalle im Höchsttempo zappeln.

Nach Let’s Get Clinical gab es dann wie schon in Tilburg die drei Songs vor den Zugaben, an denen Maxïmo Park bei keinem Konzert vorbeikommen: Books From Boxes, Apply Some Pressure und Girls Who Play Guitars ließen 3000 Kehlen so laut und hingebungsvoll singen, dass man sich ernsthaft fragen musste, ob sich nicht vielleicht doch noch unbemerkt ein paar tausende Leute in die Halle geschlichen hatten.

Der Zugabenblock belohnte die Menge für ihren Enthusiasmus mit Calm, dem andächtigen Acrobat und dem bewährten Stimmungsmacher Our Velocity, bevor Maxïmo Park sich nach 75 hochverdichteten Minuten erschöpft von Düsseldorf verabschiedeten.

FAZIT: Ein hervorragendes Konzert, das mehr Zuschauer verdient gehabt hätte. Dass die Stimmung in der Halle trotz geringer Resonanz erstklassig war, ist der sehr spielfreudigen und gut aufgelegten Band hoch anzurechnen. Von Quicken The Heart fehlten nur 3 Stücke, allerdings gab es In Another World Anfang des Jahres im Kölner Gebäude 9 und Overland, West of Suez und Tanned letzte Woche in Tilburg. Es lohnt sich also bei Maxïmo Park nach wie vor, mehrere Konzerte einer Tour zu besuchen.

RANDNOTIZ: Nach Verlassen der Halle bekam man mit etwas Glück endlich mal keine sinnlosen Werbeblättchen in die Hand gedrückt, sondern eine komplette Ausgabe ME/Sounds, und zwar die vom Mai 2009, die der Band eine Titelstory gewidmet hatte.

Review: Christian Lesske – Fotos: Carolina Ruiz & Johannes Schleimer


S E T L I S T :

01. A19
02. The Penultimate Clinch
03. Wraithlike
04. Russian Literature
05. Signal And Sign
06. Questing, Not Coasting
07. Roller Disco Dreams
08. Karaoke Plays
09. A Cloud Of Mystery
10. The Kids Are Sick Again
11. That Beating Heart
12. Going Missing
13. I Haven’t Seen Her In Ages
14. The Unshockable
15. Let’s Get Clinical
16. Books From Boxes
17. Apply Some Pressure
18. Girls Who Play Guitars
19. Calm
20. Acrobat
21. Our Velocity

Posted by Bjoern   @   23 Oktober 2009

 

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