Fish – Freilichtbühne, Zons, D – 22. 8. 2009

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Eine heimelige Mischung aus Würstchengrills und Bierzelten empfing den Besucher von Fishs einzigem Deutschlandkonzert des Jahres 2009 am 22. August auf der Freilichtbühne in Zons. Auf einer großen Wiese vor der eigentlichen Bühne versammelte sich eine interessante Melange aus neugierigen Einheimischen, gestandenen Feierabend-Rockern und den üblichen Verdächtigen aus der Prog-Szene.

Das Mini-Amphitheater in mittelalterlicher Architektur ist traditionell Heimat für Märchen-Inszenierungen und besticht mit seiner etwas verwitterten Atmosphäre. Ein passender Rahmen für die Rückkehr des großen Märchenonkels aus Schottland also. Und Märchen hatte er wie immer eine Menge auf Lager. Schon seit Längerem nutzt Fish bekanntlich seine Standup-Qualitäten, um die sich stetig verschlechternde Gesangs-Perfomance und die Unsicherheiten seiner immer wieder neu zusammengewürfelten Band zu kompensieren.

Allerdings tragen seine skurrilen Anekdoten und unnachahmlichen Kneipen-Brandreden seit jeher einen Großteil zu der ausgelassenen Stimmung bei, die den Besucher auf einem Fish-Konzert erwartet. Diese Rechnung ging auch dieses Mal perfekt auf: In gut zwei Stunden schafften es Fish und seine Mitstreiter, das gut gefüllte Amphitheater von einem Currywurst essenden Straßenfest in eine singende und tanzende Open-Air-Party zu verwandeln.

Mit dem letzten Tageslicht betrat der Prog-Holzfäller zu den ersten Tönen von Vigil das Theater – in gewohnter Manier ganz hinten, um sich dann singend durch die Menge seinen Weg zur Bühne zu bahnen. Fishs Stimme schwächelte hier bereits leider gewaltig, und ließ speziell beim Refrain Skepsis aufkommen, ob der Rest des Abends glimpflich verlaufen würde.

Ab dem zweiten Song verbesserte sich jedoch der Gesang, und auch der Mann am Mischpult spendierte noch einige willkommene Justierungen am Sound.

Die Band wirkte insgesamt ein wenig underrehearsed und leistete sich ein paar üble Schnitzer, die der Stimmung aber keinen großen Abbruch taten. Neu-Gitarrist Chris Johnson  bestach durch grooviges Spiel und stoische Gelassenheit gegenüber den Show-Nickeligkeiten Fishs.

Keyboarder Foss Paterson spielte zwar (vom verhauenen Einsatz ausgerechnet beim Gitarrensolo von Cliché mal abgesehen) ganz passabel, präsentierte aber insgesamt leider eine sehr Kirmes-mäßige Soundpalette, die hier und da die Überzeugungskraft der alten Marillion-Stücke deutlich ausbremste. Frank Usher war zwar schon besser in Form, legte aber im Großen und Ganzen einen soliden Auftritt hin.

Die Setlist bot eine ausgewogene Mischung aus Fish-Klassikern (Credo, Lucky, The Company), aktuellen Solo-Stücken (Numbers, Open Water) und natürlich Marillion-Gassenhauern (Incubus, Assassing, Freaks sowie die komplette erste Seite von Misplaced Childhood). Speziell letztere Stücke zauberten zeitweilig Stadionatmosphäre im Kleinformat auf die Ränge.

Das Wechselspiel zwischen stehendem, sitzendem und Bier holendem Publikum im Halbrund verdeutlichte eindrucksvoll, dass der Großteil der Anwesenden auch genau deswegen gekommen war. Zu den ersten Tönen von Open Water erhob sich eine in ihrer Geschlossenheit fast schon beleidigende Welle an Toilettengängern und Getränkekäufern, gegen Ende des Konzerts war das Gelände dagegen außerhalb des Amphitheaters komplett verwaist.

FAZIT: Wer gekommen war um alte Marillion-Stücke kollektiv abzufeiern, kam voll auf seine Kosten. Wer den Onkel gerne reden hört auch. Wer (allen Ernstes) eine virtuose Performance erwartet hat, eher nicht.

Review und Fotos: Björn Kahlenberg


Y O U T U B E – V I D E O S :

Kayleigh & Lavender

The Company


S E T L I S T :

01. Vigil
02. Assassing
03. Credo
04. Circle Line
05. Poet’s Moon
06. Tongues
07. Open Water
08. Long Cold Day
09. Incubus
10. Cliché
11. Pseudo Silk Kimono
12. Kayleigh
13. Lavender
14. Bitter Suite
15. Heart Of Lothian
16. Freaks
17. Lucky
18. The Company

Posted by Bjoern   @   23 August 2009

 

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