Porcupine Tree – Palladium, Köln, D – 2. 12. 2009

Post image of Porcupine Tree – Palladium, Köln, D – 2. 12. 2009

Nachdem The Incident Fans und Kritiker gleichermaßen zu Lobeshymnen hinriss, klappte dem ein oder anderen Rheinländer glatt die Kinnlade herunter, als die Tourdaten zum aktuellen Album bekanntgegeben wurden: Kein Konzert in Köln? Wie bitte? Würde Steve Wilson es sich leisten können, einen Bogen um die Stadt zu machen, die er selbst als “my spiritual home in Germany” bezeichnet?

Nein, konnte er glücklicherweise nicht. Nach einigen Tagen konnten die Fans in NRW erleichtert aufatmen, als noch ein deutscher Tourtermin nachgeschoben wurde: das Kölner Palladium am 2. Dezember.

Gleich zu Beginn der Tour verkündete die Band, dass sie den aktuellen Songzyklus The Incident nur am Stück servieren würden. Als die ersten Gitarrenakkorde von Occam’s Razor durch das gut gefüllte Palladium krachten, war noch nicht ganz klar, wie das Publikum darauf reagieren würde. Jubelstürme? Wildes Auf- und Abhüpfen? Emporgereckte Fäuste? Nicht bei Porcupine Tree: Die Mehrheit der Anwesenden stand einfach nur herum und hörte andächtig zu. Der ein oder andere rockte still vor sich hin und in sich hinein, aber im Gesamten spielten Porcupine Tree hier noch vor einem stillen, gebannt lauschenden Publikum.

Die Live-Umsetzung von The Incident punktete einerseits durch technische Brillianz bei allen Beteiligten, und andererseits durch sicht- und hörbare Spielfreude, speziell bei Steven Wilson, der mit seelenvollerem und leidenschaftlicherem Gesang denn je glänzte. So man denn im schlauchigen Palladium gute Sicht auf die Bühne hatte, machte es Spaß, jedem Bandmitglied ausführlich bei der Arbeit zuzuschauen.

Etwas mehr Bewegung kam beim Publikum auf, als Wilson & Co. im Anschluss einige ältere und neue Klassiker auspackten. Lazarus und The Sound of Muzak konnten dem Publikum sanfte Mitsing-Chöre entlocken. Russia On Ice begann wunderschön, wurde aber leider durch einen abrupten Cut entmannt, als die Band in den “Kernteil” von Anesthetize vom letzten Album überging.

Sowohl die fehlenden Parts als auch der etwas ungelenke Übergang missfielen zahlreichen Fans. Die paar Minuten Zeit für das Ende von Russia On Ice und das Intro von Anesthetize wären schon auch noch gewesen, gell Herr Wilson? Trotzdem versetzte Anesthetize eine Menge Leute in Begeisterung, und verdeutlichte abermals, dass Fear Of A Blank Planet mit seinen düsteren Sounds und metallischen Grooves bei vielen Fans offenbar einen Nerv getroffen hat.

So fielen auch Way Out Of Here und Normal auf fruchtbaren Boden bzw. fruchtbare Ohren. Bonnie The Cat vom aktuellen Album haute musikalisch in eine ähnliche Kerbe und bot der Band Gelegenheit, auf der Bühne gut abzurocken. Mit Trains als mittlerweile obligatorischer letzter Zugabe gab es dann nochmal richtig Partystimmung im Palladium, Publikums-Chöre und spanisches Geklatsche inklusive. Insgesamt präsentierten Porcupine Tree so eine recht ausgewogene Setlist mit deutlichem Schwerpunkt auf den letzten drei Alben.

Erwähnung sollten noch die zum Teil extremen Störgeräusche finden, die ab der Hälfte des Gigs wie auch immer ihren Weg auf die rechte Seite der PA fanden. Es knisterte, rauschte und unterdrückte den Sound der gesamten Band immer wieder mal für einige Sekunden, dass man meinen konnte, das entscheidende Kabel vom Mixer zu den Boxen hätte einen Wackelkontakt.

Glücklicherweise konnten die Soundprobleme der Stimmung keinen Abbruch tun, sorgten allerdings immer wieder für irritierte bis besorgte Blicke nach rechts. Der Sound insgesamt war Palladium-typisch vorne sehr gut und überall sonst ganz ok bis leicht breiig. Der Mann am Mischpult sorgte für einen sehr ausgewogenen, aber auch druckvollen Mix.

FAZIT: Eine Performance mit der optimalen Balance zwischen technischer Perfektion und Spielfreude, untermalt von einer stimmigen und angenehm auf den Punkt gebrachten Lightshow. Das Publikum typisch für Porcupine Tree irgendwo zwischen entspannt und begeistert. Am Ende bleibt die erfreuliche Erkenntnis, dass The Incident live noch stärker wirkt und noch mehr Atmosphäre entfaltet als in der Studioversion schon.

Review: Björn Kahlenberg – Fotos: Lutz Diehl


S E T L I S T :

01. Occam’s Razor
02. The Blind House
03. Great Expectations
04. Kneel And Disconnect
05. Drawing The Line
06. The Incident
07. Your Unpleasant Family
08. The Yellow Windows Of The Evening Train
09. Time Flies
10. Degree Zero Of Liberty
11. Octane Twisted
12. The Seance
13. Circle Of Manias
14. I Drive The Hearse
15. The Start Of Something Beautiful
16. Russia On Ice (Part 1)
17. Anesthetize (Part 2)
18. Lazarus
19. Way Out Of Here
20. Normal
21. Bonnie The Cat
22. The Sound Of Muzak
23. Trains

Posted by Bjoern   @   3 Dezember 2009

 

Related Posts

Like this post? Share it!

RSS Digg Twitter StumbleUpon Delicious Technorati Facebook

2 Comments

Comments
Dez 16, 2009
12:55 PM
#1 Marina :

Bin immer noch ebgeigestert. Tolles Konzert!!!

Leave a Comment

Name

Email

Website

Previous Post
« dredg – Live Music Hall, Cologne, D – 2009-11-02
Next Post
Mick Pointer & Friends – Live Music Hall, Köln, D – 17. 12. 2009 »
Powered by Wordpress   |   Lunated designed by ZenVerse