IQ – Spirit of 66, Verviers, BE – 26. 4. 2009

Post image of IQ – Spirit of 66, Verviers, BE – 26. 4. 2009

Anlässlich der Veröffentlichung des neuen Albums Frequency hatten die britischen Prog-Urgesteine IQ im April zu 3 Club-Gigs auf europäischem Festland geladen. Nach der Weststadthalle in Essen und der IQ-Hochburg De Boerderij in Zoetermeer konnte man sich am 26. April im Spirit of 66 im belgischen Verviers auf das erste IQ-Konzert seit 2 Jahren freuen. Im November 2007 hatten die fünf Briten dort bereits für Begeisterung gesorgt, so dass man keine Mühe hatte, das Spirit schon im Vorfeld ausreichend voll zu bekommen.

Als wären das neue Album und der neue Keyboarder Mark Westworth (ersetzte Gründungsmitglied Martin Orford während der Aufnahme-Sessions zu Frequency) nicht schon Neuigkeiten genug, verließ auch noch Drummer Andy Edwards kurzfristig die Band, und machte so den Weg frei für die Rückkehr des Original-Schlagzeugers Paul Cook. Offiziell hieß es, Paul Cook würde die Sticks zunächst nur aushilfsweise für die Konzerte 2009 wieder in die Hand nehmen. Nach eigenen Angaben weiß aber weder er selbst noch sonst jemand so genau, wie lange er eigentlich bleiben wird bzw. soll bzw. darf. Es besteht also Hoffnung für Fans des Original-Lineups, dass er vielleicht doch wieder festes Mitglied der Band wird.

Die Veränderungen im Lineup ließen natürlich die Frage aufkommen, ob deutliche Änderungen im Stil oder der Performance zu erwarten waren. Um es kurz und schmerzlos vorwegzunehmen: Man hat der Band an einigen Stellen leider deutlich angemerkt, dass die Bandmitglieder alle Vollzeitjobs außerhalb der Musik haben und vor kleineren Touren nicht wochenlang proben können. Diese Situation in Verbindung mit 2 “neuen” Bandmitgliedern hat leider einige Verspieler im Laufe des Abends provoziert, vor allem von Seiten von Herrn Westworth. Schade eigentlich, wenn man bedenkt, dass IQ immer für ihre inspirierten und gerne auch chaotischen, aber doch immer sehr tighten und professionellen Auftritte bekannt waren.

Auf der Haben-Seite stand an diesem Abend ganz klar die Atmosphäre im Saal und die Wechselwirkung zwischen Band und Publikum. IQs Show funktionierte sehr gut in Kombination mit der traditionell leicht Saloon-artigen Atmosphäre im Spirit of 66. Es wurde getanzt, geklatscht und gepfiffen. Die gute Stimmung im Publikum schwappte nach kurzer Zeit auch über den Bühnenrand und bescherte allen Anwesenden eine gut aufgelegte und spielfreudige Band, die ihre Show wie immer mit ihrem typischen trocken-surrealem Humor würzte.

Die Setlist bot neben gut der Hälfte des neuen Albums einen bunten Streifzug durch die Band-Geschichte: Von Outer Limits aus dem (heute noch kultisch verehrten) 1985er Album The Wake über The Darkest Hour vom Comeback-Album Ever bis hin zum Epos The Narrow Margin von der 1997er Konzept-Bombe Subterranea. Auffällig war, das vorwiegend längere bis sehr lange Stücke den Abend dominierten. The Darkest Hour – 10 Minuten, Sacred Sound – 12 Minuten, The Narrow Margin – 20 Minuten. So schrumpft natürlich der Platz auf der Setlist ziemlich rapide zusammen. Während der Großteil des Publikums genau die längeren Stücke sehr zu goutieren schien, vermissten einige andere zu Recht ein paar der traditionellen Dauerbrenner wie Awake and Nervous oder The Wake.

Spannend wurde es, als aus dem Publikum immer wieder Wünsche nach dem Klassiker Widow’s Peak laut wurden, die vor dem ersten Zugabenblock sogar noch mit einem guten Dutzend auf der Bühne verteilter Zettel mit dem Songtitel darauf untermauert wurden. Nachdem Sänger Peter Nicholls anfangs nur süffisant auf den darauf fehlenden Apostroph verwies und leicht sadistisch anmerkte, bei richtiger Rechtschreibung hätte man vielleicht noch darüber reden können, gab die Band am Ende dem Wunsch schließlich doch statt und spielte unter tosendem Jubel diesen Klassiker aus den 80ern.

Die zur traditionellen Nach-Hause-Geh-Hymne umfunktionierte Middle Section von The Last Human Gateway beendete nach knapp zweieinhalb Stunden ein langes Konzert, das in erster Linie durch Atmosphäre und Spielfreude bestach. Bei der Performance musste man wie erwähnt leider einige Abstriche im Vergleich zu den letzten Touren hinnehmen. Die meisten Anwesenden waren sichtlich zufrieden mit dem Konzert, aber es gab auch Stimmen, die durch die Verspieler ihren Spaß an der Show doch deutlich getrübt sahen.

Die Band selbst zog eine überwiegend positive Bilanz. Sänger Nicholls sagte nach dem Konzert, dass er das lange Tour-Wochenende sehr genossen hat, und er es ein wenig schade fände, jetzt wieder bis September warten zu müssen. Dann sind IQ nämlich unterwegs in Richtung Berlin, wo sich die Band seit über 15 Jahren nicht blicken lassen hat. Wir üben uns bis dahin zusammen mit Herrn Nicholls in erwartungsfroher Geduld.

Review: Björn Kahlenberg – Fotos: Christian Lesske


S E T L I S T :

01. Frequency
02. Erosion
03. The Darkest Hour
04. Stronger than Friction
05. Outer Limits
06. Sacred Sound
07. The Province
08. Guiding Light
09. Closer
10. The Narrow Margin
11. It All Stops Here
12. Widow’s Peak
13. The Last Human Gateway (Middle Section)

Posted by Bjoern   @   27 April 2009

 

Related Posts

Like this post? Share it!

RSS Digg Twitter StumbleUpon Delicious Technorati Facebook

1 Comments

Comments
Okt 30, 2009
7:05 PM
#1 Bert :

An excellent gig!!!! What more to say.

Leave a Comment

Name

Email

Website

Previous Post
Next Post
dredg – Zeche, Bochum, D – 11. 6. 2009 »
Powered by Wordpress   |   Lunated designed by ZenVerse